🏷️ Titel: Dein Gehirn ist keine Festplatte – Wie Du Dein Lernen boostern kannst
👤 Urheber: Söll, Matthias
📜 Lizenz & Link: CC BY-SA 4.0
🗓 Erstellt: 20.03.2026
🔄 Aktualisiert: 11.04.2026
🧩 Version: 1.0
🚦 Status: 🟠 In Erprobung
🧾 Zitiervorschlag: Söll, Matthias (2026). Dein Gehirn ist keine Festplatte – Wie Du Dein Lernen boostern kannst. SciBlog iWIP. https://matthiassoell.github.io/iWIP/blog/lehre/vt_gehirn_lernen_junior_studium/ (Lizenz: CC BY-SA 4.0)

🧭 Hintergrund

Die Veranstaltung “Dein Gehirn ist keine Festplatte – Wie Du Dein Lernen boostern kannst” ist als kurzer Impuls für das Juniorstudium an der Universität Rostock mit ca. 150 Schüler:innen geplant.

Das Format kombiniert kurze Inputs mit zwei Aktivierungsphasen (Aufsteh-Abfrage und Murmelgruppe), damit die Teilnehmenden ihr eigenes Lernen direkt reflektieren und einen konkreten nächsten Schritt formulieren.


💭 Ausgangsfrage

Wie kannst Du so lernen, dass es zu Dir, Deinen Zielen und Deinem Alltag passt?


🎯 Lernziele

Die Junior-Studierenden können nach dem Impuls:

  • 🧠 das Lerntypen-Konzept in einem Satz einordnen,
  • 🔍 erklären, warum Lernen immer von individuellen und situativen Faktoren abhängt,
  • 🧩 mindestens zwei konkrete Lernzugänge für sich selbst benennen,
  • 🚀 eine direkte Veränderung für die nächste Lernwoche planen.

🧭 Ablauf

Gesamtdauer: ca. 30 Minuten ⏱️

PhaseInhaltZielZeit
1️⃣ Einstieg 💭Titel, Leitfrage, kurzer ErwartungsankerFokus und Aktivierung2 Min
2️⃣ Lerntypen-Check 🧠Aufsteh-Abfrage: auditiv, kognitiv, visuell, haptisch, weiß nichtVorwissen sichtbar machen4 Min
3️⃣ Lerntypen-Impuls 🪞Lerntypen vor dem Hintergrund der EmpirieFehlkonzepte klären4 Min
4️⃣ Wie Lernen funktioniert 🧠Vier Lerntheorien als KurzimpulsePerspektiven erweitern6 Min
5️⃣ Lernen boostern 🌱Drei persönliche Beispiele + Tool-BeispieleHandlungsoptionen öffnen8 Min
6️⃣ Murmelgruppe 💬Austausch zu bevorzugten Lernzugängen und nächster SchrittTransfer sichern2 Min
7️⃣ Abschluss + WiPäd 🎓Lerntipps, Lernen als sozialer Prozess, WirtschaftspädagogikAusblick und Verabschiedung4 Min

Lerntypen 🧠

Wie lernst Du am besten?

Lerntypen

Lerntypen

Bildquelle: Eigene Darstellung (erstellt mit ChatGPT) · Lizenz: CC BY-SA 4.0

-🗄️ Lerntypen sind populäre, aber empirisch nicht nachweisbare Konstrukte, die Lernende in feste Kategorien einteilen (Brand, 2025; Daumiller & Wisniewski, 2022; Menz et al., 2021).

  • 🧪 Der Lerntypen-Ansatz gilt deshalb in der Forschung als Mythos (Newton & Salvi, 2020).
  • ⚠️ Lerntypen-Denken kann zu Etikettierung führen und Erwartungen an Lernende unnötig begrenzen (Sun et al., 2023).
  • 🔄 Konstruktiv gewendet bleibt aber sinnvoll: Lernzugänge variieren, testen und reflektieren statt sich auf einen Typ festzulegen (Daumiller & Wisniewski, 2022).

Wie funktioniert Lernen? 🧠

Wir wissen heute bspw. aus den kognitiven Neurowissenschaften viel über die Funktionen des Gehirns beim Lernen, aber nicht alles. Deshalb und weil entsprechende Erkenntnisse nicht direkt auf die Gestaltung des Lernens übertragen werden können, ist Lernen keine rein naturwissenschaftlich ableitbare, sondern eine didaktisch zu gestaltende, kontextabhängige Aufgabe (Schumacher & Stern, 2012; Willingham, 2009).

Lernen & Gehirn

Visualisierung zum Lernen im Gehirn

Bildquelle: Eigene Darstellung (erstellt mit ChatGPT) · Lizenz: CC BY-SA 4.0

Lernen hängt davon ab, wie Du was und wie lernen möchtest - individuelle und situative Kontextfaktoren entscheiden mit!

Lerntheorien im Kurzformat

Um Lernen wissenschaftlich fundiert zu verstehen und zu gestalten, sind vier Lerntheorien besonders hilfreich. Sie werden in folgender Grafik veranschaulicht.

Lerntheorien

Überblick zu vier Lerntheorien

Bildquelle: Eigene Darstellung (erstellt mit ChatGPT) · Lizenz: CC BY-SA 4.0

  • 🔁 Behaviorismus: Lernen zeigt sich in beobachtbarer Verhaltensänderung durch Reiz, Reaktion und Verstärkung.
  • 🧠 Kognitivismus: Lernen wird als aktive Informationsverarbeitung verstanden (Aufmerksamkeit, Verstehen, Gedächtnis).
  • 🛠️ Konstruktivismus: Lernende konstruieren Bedeutung auf Basis eigener Erfahrungen und Vorkenntnisse.
  • 👥 Situiertes Lernen: Lernen ist besonders wirksam in authentischen sozialen Kontexten und gemeinsamer Praxis (Reinmann, 2013).

Dein Lernen boostern 🌱

Wie kannst Du vor diesem Hintergrund Dein Lernen boostern?

Autobiografische Lernbeispiele von Matthias Söll

Drei autobiografische Lernbeispiele

Bildquelle: Eigene Darstellung (erstellt mit ChatGPT) · Lizenz: nicht frei verwendbar

Ich habe erst relativ spät angefangen, über mein eigenes Lernen 🧠 nachzudenken – schade eigentlich.
In meiner Schulzeit war Lernen für mich oft anstrengend. Besonders das Üben in Mathe: immer wieder ähnliche Aufgaben, wenig Abwechslung – das hat mir selten Spaß gemacht.
Ganz anders war es im Badminton. Dort konnte ich mich stundenlang auf den Platz stellen und kurze Angaben üben – freiwillig und mit hoher Konzentration 🧠.
Und dann gab es einzelne Unterrichtssituationen, die mir bis heute im Gedächtnis geblieben sind 👥. Besonders im Deutschunterricht zum Thema Barock: Wir haben die Epoche „mit Kopf, Hand und Herz“ kennengelernt – also nicht nur darüber gesprochen, sondern sie aktiv erlebt.
Erst später habe ich verstanden, woran das liegt: Motivation, Aktivierung, Rückmeldung und soziale Einbettung 👥 machen einen entscheidenden Unterschied – und viele dieser Faktoren kann ich selbst beeinflussen 🌱.

Was bedeutet das für Dich und Dein Lernen?

Du kannst Dein Lernen aktiv steuern – und genau das macht einen großen Unterschied.

Tools zum Boostern

Mit Tools wie den folgenden kannst Du unterschiedliche Zugänge zum Lernen 🧠 gezielt nutzen:

🧠 Verstehen & Erklären

📚 Wiederholen & Behalten

🧩 Strukturieren & Verknüpfen

Entscheidend bleibt, dass Du die Inhalte aktiv bearbeitest 🧠, statt sie nur zu konsumieren.


💬 Murmelgruppe (2 Minuten)

Lernen ist auch ein sozialer Prozess: Wer mit anderen über Inhalte spricht, erklärt, fragt und Rückmeldung bekommt, kann nachhaltiger lernen.

Arbeitsauftrag:

Tauscht Euch mit Eurer Sitznachbarin oder Eurem Sitznachbarn aus:

  1. Wie lernst Du aktuell am liebsten?
  2. Was willst Du in den nächsten Tagen konkret ausprobieren?

Rückmeldungen ins Plenum erfolgen nur freiwillig.


🧠 Lerntipps und sozialer Blick

Aus didaktischer Perspektive für digitales Lernen wie im Juniorstudium besonders hilfreich:

  • Eigene Lernziele klein und konkret formulieren
  • 🔁 Lernaktivitäten variieren (lesen, zusammenfassen, erklären, anwenden)
  • ✅ Verständnis aktiv prüfen, statt nur wiederzulesen
  • 💬 Rückmeldung und Austausch gezielt suchen

Diese Tipps stammen von Reinmann (2025), die in ihren Veröffentlichungen noch weitere, wertvolle Ratschläge zum Lernen bietet.


🎓 Wirtschaftspädagogik studieren?

Wenn Du Lernen spannend findest und wissen willst, wie Unterricht, Schule und digitale Bildung im Bereich Wirtschaft wirksam gestaltet werden können, dann ist Wirtschaftspädagogik vielleicht genau das Richtige für Dich!

Interessiert? Weitere Informationen findest Du hier: Das Studium der Wirtschaftspädagogik an der Universität Rostock


📚 Literatur

Brand, A. (2025). Der Lerntypen-Mythos und seine Folgen. Deutsches Schulportal der Robert Bosch Stiftung. https://deutsches-schulportal.de/bildungsforschung/der-lerntypen-mythos-und-seine-folgen/

Daumiller, M., & Wisniewski, B. (2022). Lerntypen - Warum es sie nicht gibt und sie sich trotzdem halten. In-Mind, 3. https://de.in-mind.org/article/lerntypen-warum-es-sie-nicht-gibt-und-sie-sich-trotzdem-halten

Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J., & Willingham, D. T. (2013). Improving Students’ Learning With Effective Learning Techniques. Psychological Science in the Public Interest, 14(1), 4-58.

Menz, C., Spinath, B., & Seifried, E. (2021). Misconceptions die hard: Prevalence and reduction of wrong beliefs in topics from educational psychology among preservice teachers. European Journal of Psychology of Education, 36(2), 477-494.

Newton, P. M., & Salvi, A. (2020). How common is belief in the learning styles neuromyth, and does it matter? A pragmatic systematic review. Frontiers in Education, 5, 602451.

Reinmann, G. (2013). Didaktisches Handeln. Die Beziehung zwischen Lerntheorien und didaktischem Design. In M. Ebner & S. Schoen (Hrsg.), L3T. Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien.

Reinmann, G. (2025). Strategien, Lernformen, Tugenden https://www.uni-hamburg.de/dl-portal/studium-und-lehre/strategien-lernformen-tugenden.html

Schumacher, R., & Stern, E. (2012). Neurowissenschaften und Lehr-Lern-Forschung: Welches Wissen trägt zu lernwirksamem Unterricht bei? Die Deutsche Schule, 104(4), 383-396.

Sun, X., Norton, O., & Nancekivell, S. E. (2023). Beware the myth: Learning styles affect parents’, children’s, and teachers’ thinking about children’s academic potential. npj Science of Learning, 8(1), 46.

Willingham, D. T. (2009). Why don’t students like school? Jossey-Bass.