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🏷️ Titel: Nachhaltigkeit – Welche Rolle spielt Bildung?
👤 Urheber: Söll, Matthias
📜 Lizenz & Link: CC BY-SA 4.0
🗓 Erstellt: 14.06.2026
🧩 Version: 1.0
🚦 Status: 🟠 In Erprobung
🧾 Zitiervorschlag: Söll, Matthias (2026). Nachhaltigkeit – Welche Rolle spielt Bildung?. SciBlog iWIP. https://matthiassoell.github.io/iWIP/blog/lehre/bisy/nachhaltigkeit/ (Lizenz: CC BY-SA 4.0)

🧭 Hintergrund

In dieser Lehrveranstaltung geht es um Nachhaltigkeit als gesellschaftliches Leitbild, politische Steuerungsstrategie und bildungssystemische Herausforderung. Im Zentrum steht die Frage, welche Rolle Bildung spielt, wenn nachhaltige Entwicklung nicht nur als globales Ziel formuliert wird, sondern in konkreten Bildungsbereichen, Curricula, Ausbildungsordnungen und beruflichen Handlungssituationen wirksam werden soll.

Der Beitrag führt von der klassischen Definition nachhaltiger Entwicklung über die Agenda 2030 der Vereinten Nationen und die Bildungsziele des SDG 4 zur Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung. Am Beispiel des Projekts NaVeBb wird abschließend betrachtet, wie Nachhaltigkeit in Versicherungs- und Beratungsberufen konkret zum Gegenstand beruflicher Bildung werden kann.

💭 Ausgangsfrage

Welche Rolle Bildung spielt, wenn Nachhaltigkeit als globales Leitbild in Bildungsziele, Berufsbildung und berufliche Handlungssituationen übersetzt werden soll?

🎯 Lernziele

Nach der Sitzung können Sie:

  • 🧭 nachhaltige Entwicklung als Leitbild mit sozialen, ökologischen und ökonomischen Zielkonflikten beschreiben.
  • 🌐 die Agenda 2030 und die Sustainable Development Goals als globale Steuerungs- und Internationalisierungsstrategie einordnen.
  • 🎓 SDG 4 als Bildungsziel und zugleich als Voraussetzung nachhaltiger Entwicklung analysieren.
  • 🧠 den Stand von SDG 4 global und mit Blick auf Deutschland exemplarisch unterscheiden.
  • 🤝 Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung als berufsbildungspolitische und didaktische Umsetzungsstrategie erklären.
  • 🪞 Materialien aus dem Projekt NaVeBb daraufhin untersuchen, wie Nachhaltigkeit in berufliche Handlungssituationen übersetzt wird.

🧭 Ablauf

Gesamtdauer: ca. 90 Minuten ⏱️

PhaseInhaltZielZeit
1. Einstieg 💭Nachhaltigkeitsverständnisse, Brundtland-Definition, Nachhaltigkeitsdimensionenbegrifflich und problemorientiert einsteigen⏱️ 10
Min
2. Agenda 2030 🌐SDGs, globale Zielarchitektur, politische FragilitätNachhaltigkeit als internationale Steuerungsstrategie einordnen⏱️ 15
Min
3. SDG 4 🎓globale Zielverfehlung, nationale Benchmarks, DeutschlandBildung als Ziel und Mittel nachhaltiger Entwicklung analysieren⏱️ 10
Min
4. BBNE 🧠BNE, Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung, StandardberufsbildpositionenNachhaltigkeit als beruflichen Bildungsauftrag verstehen⏱️ 10
Min
5. Arbeitsphase 👥Analyse von NaVeBb-MaterialienNachhaltigkeit in berufliche Handlungskontexte übersetzen⏱️ 35
Min
6. Diskussion 💬Ergebnisse, offene Fragen, AbschlussreflexionBildungsrolle kritisch zuspitzen⏱️ 10
Min

🧭 Nachhaltige Entwicklung als Leitbild und Entscheidungsproblem

Ein häufiger Ausgangspunkt für das Verständnis nachhaltiger Entwicklung ist der Bericht “Our Common Future” der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung aus dem Jahr 1987. Er wird häufig als Brundtland-Bericht bezeichnet (World Commission on Environment and Development, 1987). Dort heißt es:

“Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.”

World Commission on Environment and Development (1987, S. 41)

🧭 Eine gebräuchliche deutsche Übersetzung lautet: “Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.”

Diese Definition ist bis heute wirkmächtig, weil sie Generationengerechtigkeit in den Mittelpunkt stellt.

Sie macht aber noch nicht eindeutig, wie konkrete Zielkonflikte zu lösen sind. Genau hier beginnt die bildungssystemische Relevanz des Themas.

Nachhaltigkeit wird häufig über drei Dimensionen systematisiert:

  • 🤝 soziale Gerechtigkeit
  • 🌱 ökologische Verträglichkeit
  • 📈 ökonomische Leistungsfähigkeit

Diese drei Dimensionen können als gleichrangige Ziele verstanden werden. Sie stehen jedoch nicht automatisch im Einklang. Eine Maßnahme kann ökologisch sinnvoll, aber ökonomisch kostspielig sein. Eine wirtschaftlich attraktive Lösung kann soziale Folgekosten erzeugen. Eine sozial gerechte Maßnahme kann wiederum Ressourcen- oder Finanzierungsfragen aufwerfen. Nachhaltigkeit ist deshalb ein Reflexions- und Entscheidungsproblem. Folgende Grafik veranschaulicht diese Spannung:

Nachhaltigkeit im Spannungsfeld
sozialer, ökologischer und ökonomischer Ansprüche

Bildquelle: Eigene Darstellung (erstellt mit ChatGPT) in Anlehnung an von Hauff & Kleine (2005) ·
Lizenz: CC BY-SA 4.0

Im Hinblick auf Nachhaltigkeit lautet die Leitfrage: Wann ist eine Entscheidung in der Spannung sozialer, ökologischer und ökonomischer Ansprüche begründbar?

🌐 Die Agenda 2030: globale Nachhaltigkeitsziele, fragile Umsetzung

Im Jahr 2015 verabschiedeten 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Sie umfasst 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die Sustainable Development Goals (SDGs) (United Nations, 2015). Die Agenda richtet sich an alle Staaten, die Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und letztlich jede einzelne Person. Folgende Abbildung gibt einen Überblick über die SDGs:

Die 17 SDGs der UN

Bildquelle: UNRIC: Die 17 Ziele · Lizenz: nicht frei verwendbar (United Nations o. J.)

Die Agenda 2030 beschreibt die Ziele als integriert und unteilbar. Sie soll die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Dimensionen nachhaltiger Entwicklung in ein Verhältnis bringen.

Die Agenda 2030 ist ein Versuch, nachhaltige Entwicklung international zu koordinieren. Zugleich zeigt sich an ihr, wie fragil solche globalen Strategien sind.

Ein aktuelles Beispiel sind die USA unter der zweiten Trump-Regierung. Im März 2025 erklärte ein Vertreter der US-Regierung bei den Vereinten Nationen, die Vereinigten Staaten würden die Agenda 2030 und die SDGs ablehnen und verurteilen:

“Put simply, globalist endeavors like Agenda 2030 and the SDGs lost at the ballot box. Therefore, the United States rejects and denounces the 2030 Agenda for Sustainable Development and the Sustainable Development Goals, and it will no longer reaffirm them as a matter of course.”

Heartney (2025)

🌐 Globale Strategien wie die Agenda 2030 sind auf politische Unterstützung angewiesen. Sie formulieren gemeinsame Orientierungen, können ihre Umsetzung aber nicht unabhängig von Regierungen garantieren.

Damit entsteht eine erste bildungssystemische Spannung:

Die Agenda 2030 formuliert globale Ziele. Diese müssen aber unter nationalen Bedingungen konkretisiert werden.

🎓 SDG 4: Bildung als Ziel und Mittel nachhaltiger Entwicklung

SDG 4 – Hochwertige Bildung lautet:

Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern.

Statistisches Bundesamt (o. J.)

Bildung ist damit ein eigenes Nachhaltigkeitsziel. Gleichzeitig ist Bildung auch Voraussetzung dafür, dass Menschen andere Nachhaltigkeitsziele verstehen, beurteilen und mitgestalten können. Ohne Bildung lassen sich bspw. Armutsbekämpfung, Klimaschutz, Geschlechtergerechtigkeit, menschenwürdige Arbeit oder nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster kaum erreichen.

Für das Bildungssystem ist in diesem Zusammenhang das Unterziel SDG 4.7 relevant. Dort heißt es, dass bis 2030 alle Lernenden die notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung erwerben sollen. Genannt werden unter anderem Bildung für nachhaltige Entwicklung, nachhaltige Lebensweisen, Menschenrechte, Geschlechtergleichstellung, eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, Weltbürgerschaft sowie die Wertschätzung kultureller Vielfalt (United Nations, 2015).

SDG 4.7 macht deutlich: Bildung für nachhaltige Entwicklung ist nicht gleich Umweltbildung. Sie verbindet ökologische, soziale, politische, kulturelle und ökonomische Fragen.

🌍 Globaler Stand

Global ist SDG 4 deutlich von Zielverfehlungen geprägt. UNESCO und das UNESCO Institute for Statistics schätzten im Rahmen der SDG-4-Scorecard 2025, dass weltweit rund 272 Millionen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nicht zur Schule gehen (UNESCO, 2025; UNESCO Institute for Statistics, 2025). Besonders problematisch sind dabei ungleiche Bildungschancen nach Region, Einkommen, Konfliktlage und Bildungsstufe.

Die UN zeigt in einer Fortschrittsgrafik im UN-SDG-Bericht 2025, dass bei SDG 4 weltweit nur etwa ein Siebtel der bewerteten Zielvorgaben auf Kurs oder erreicht sind. Etwa zwei Siebtel zeigen mäßige oder marginale Fortschritte. Die Mehrheit ist dagegen problematisch: Rund drei Siebtel stagnieren, etwa ein Siebtel weist Rückschritte auf. Damit sind mehr als die Hälfte der bewerteten SDG-4-Zielvorgaben stagnierend oder rückläufig. (United Nations 2025)

Damit wird sichtbar: Für viele Länder ist der Zugang zu Bildung weiterhin eine zentrale Herausforderung. Es geht nicht nur um Bildungsqualität, sondern bereits um die Frage, ob Kinder und Jugendliche überhaupt eine Schule besuchen können.

🇩🇪 Deutschland als Fall

🧭 In Deutschland ist im Hinblick auf SDG 4 der allgemeine Zugang zu Schule kein zentrales Problem. Wichtiger sind Fragen von Bildungsgerechtigkeit, Übergängen, Abschlüssen, beruflicher Qualifizierung und nachhaltigkeitsbezogener Bildungsqualität.

Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie betrachtet SDG 4 unter anderem über Indikatoren wie frühe Schul- und Ausbildungsabgänger:innen. Für diesen Indikator ist das Ziel formuliert, den Anteil bis 2030 auf höchstens 9,5 Prozent zu verringern. Die Daten des statistischen Bundesamtes zeigen, dass dieses Ziel derzeit verfehlt wird:

Frühe Schul- und Ausbildungsabgänger:innen
(Anteil an allen 18- bis 24-Jährigen)

Bildquelle: Eigene Darstellung (erstellt mit ChatGPT) · Daten: Statistisches Bundesamt (2024) · Lizenz: CC BY-SA 4.0

🎓 Aus Sicht der beruflichen Bildung ist zudem relevant, dass der BIBB-Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2024 auf rund 2,86 Millionen junge Erwachsene im Alter von 20 bis 34 Jahren ohne Berufsabschluss im Jahr 2022 verweist. Das entspricht etwa 19,1 Prozent dieser Altersgruppe (BIBB, 2024).

Für Deutschland lautet die SDG-4-Frage daher:

Ermöglicht das Bildungssystem faire, hochwertige und nachhaltigkeitsbezogene Bildungswege, insbesondere an Übergängen und in beruflichen Bildungsprozessen?

🧠 Bildung für nachhaltige Entwicklung und Berufsbildung

Bildung für nachhaltige Entwicklung, kurz BNE, bezeichnet eine Bildung, die Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigt. Es geht also nicht nur darum, Wissen über Nachhaltigkeit zu vermitteln. Lernende sollen in die Lage versetzt werden, Folgen von Entscheidungen zu erkennen, Zielkonflikte zu beurteilen, Verantwortung zu übernehmen und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln (BNE-Portal, o. J.).

🎓 In Deutschland ist BNE bildungspolitisch unter anderem über den Nationalen Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung mit 130 Zielen verankert. Sie sollen dazu beitragen, BNE in den verschiedenen Bildungsbereichen strukturell zu verankern.

Für die Berufsbildung ist dabei besonders wichtig, dass Nachhaltigkeit nicht nur allgemein als gesellschaftliches Ziel erscheint. Sie wird zunehmend in Ausbildungsordnungen, Rahmenlehrplänen, Prüfungen, Lernortentwicklung und Qualifizierung des Ausbildungspersonals übersetzt (Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung 2017).

🤝 Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung

Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung, kurz BBNE, fragt danach, wie nachhaltiges Denken und Handeln in berufliche Handlungskompetenz eingeht. 🤝 In beruflichen Kontexten wird Nachhaltigkeit konkret: Es wird zusammengearbeitet, Material wird genutzt, Dienstleistungen werden angeboten, Kundinnen und Kunden werden beraten, Risiken werden bewertet, Ressourcen werden verbraucht, Entscheidungen werden dokumentiert und Interessen werden ausgehandelt.

Damit unterscheidet sich BBNE von einer rein allgemeinen Nachhaltigkeitsbildung. Sie setzt an beruflichen Aufgaben, Branchenlogiken, betrieblichen Prozessen und konkreten Entscheidungssituationen an.

Die Berufsschule hat dabei den Auftrag, Auszubildende nicht nur zur Erfüllung beruflicher Aufgaben zu befähigen, sondern auch zur nachhaltigen Mitgestaltung der Arbeitswelt und der Gesellschaft in sozialer, ökonomischer, ökologischer und individueller Verantwortung. Nachhaltigkeit ist entsprechend ein wichtiger Bestandteil der “Handreichung für die Erarbeitung von Rahmenlehrplänen der Kultusministerkonferenz für den berufsbezogenen Unterricht in der Berufsschule und ihre Abstimmung mit Ausbildungsordnungen des Bundes für anerkannte Ausbildungsberufe” der (KMK, 2021).

🌱 Standardberufsbildpositionen mit Fokus auf „Umweltschutz und Nachhaltigkeit“

Ein wichtiger Schritt ist die Modernisierung der Standardberufsbildpositionen. Seit dem 1. August 2021 gelten für alle neu geordneten Ausbildungsberufe verbindliche Mindestanforderungen unter anderem zu „Umweltschutz und Nachhaltigkeit“ (BIBB, 2026a).

Darin geht es beispielsweise darum,

  • 🧭 Möglichkeiten zur Vermeidung betriebsbedingter Belastungen für Umwelt und Gesellschaft im eigenen Aufgabenbereich zu erkennen,
  • 🌱 Materialien und Energie unter wirtschaftlichen, umweltverträglichen und sozialen Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit zu nutzen,
  • 🤝 im Sinne einer ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltigen Entwicklung zusammenzuarbeiten und adressatengerecht zu kommunizieren,
  • 🧠 Vorschläge für nachhaltiges Handeln im eigenen Arbeitsbereich zu entwickeln,
  • 🪞 Abfälle zu vermeiden und Stoffe einer umweltschonenden Wiederverwertung oder Entsorgung zuzuführen.

Hier wird Nachhaltigkeit zum beruflichen Mindestinhalt. Sie ist nicht mehr nur Zusatzthema, Projekttag oder freiwillige Profilbildung, sondern Bestandteil moderner Ausbildungsordnungen.

👥 NaVeBb: Nachhaltigkeit in Versicherungs- und Beratungsberufen

Das Projekt NaVeBb steht für „Nachhaltigkeit in Versicherungs- und Beratungsberufen“. Es wird im Rahmen des Programms „Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden“ gefördert und bearbeitet die Frage, wie BBNE in konkreten kaufmännischen und beratungsbezogenen Ausbildungsberufen umgesetzt werden kann (BIBB, 2026b; Hochschule der Bundesagentur für Arbeit, o. J.; Institut für Wirtschaftspädagogik, Universität Rostock, o. J.).

Im Projekt arbeiten unter anderem die Hochschule der Bundesagentur für Arbeit, das Institut für Wirtschaftspädagogik der Universität Rostock, der Bildungsverband der Versicherungswirtschaft und ECOVIS zusammen. Ziel ist es, berufsbezogene Maßnahmen einer Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung in die Ausbildung von Kaufleuten für Versicherungen und Finanzanlagen sowie Steuerfachangestellten zu integrieren.

Dazu werden unter anderem entwickelt:

  • 🧩 berufsspezifische didaktische Materialien für Betrieb und überbetriebliche Bildungsstätten,
  • 💬 Prüfungsmaterialien und Handreichungen für mündliche Prüfungsbereiche,
  • 🧠 Qualifizierungsbausteine für Ausbildungs- und Prüfungspersonal.

NaVeBb ist für diese Veranstaltung besonders geeignet, weil hier die Übersetzungskette sichtbar wird:

Nachhaltigkeit als globales Leitbild → Agenda 2030 → SDG 4 und SDG 4.7 → BNE/BBNE → Ausbildungsordnungen → berufsspezifische Materialien → konkrete Lern- und Prüfungssituationen.

Gerade in Versicherungs- und Beratungsberufen wird Nachhaltigkeit insbesondere in den Bereichen Beratung, Risikoeinschätzung, Investitionsentscheidungen, Kundenerwartungen, Regulierungen, Unternehmensverantwortung und gesellschaftliche Folgen beruflicher Entscheidungen relevant. Dies geht weit über den eigenen Ressourceneinsatz bei der täglichen Arbeit hinaus.

Ein vergleichbarer Fokus zeigt sich auch in Debatten um die Finanzwende, in denen die Lenkungswirkung von Finanz- und Investitionsentscheidungen für nachhaltige Entwicklung hervorgehoben wird (Greenpeace, o. J.).

👥 Arbeitsauftrag zur Vertiefung

👥 Bearbeiten Sie zu zweit ein Material, ein Modul oder ein Projektbeispiel aus der NaVeBb-Plattform.

💬 Halten Sie Ihre Ergebnisse auf Taskcards so fest, dass Sie sie anschließend in maximal zwei Minuten vorstellen können.

💭 Aufgabe

Analysieren Sie das ausgewählte Material unter folgender Leitfrage:

Wie wird Nachhaltigkeit in diesem Material in berufliche Handlungskompetenz übersetzt?

Dabei können folgende Fragen hilfreich sein:

  1. 🧭 Nachhaltigkeitsverständnis
    Welches Verständnis von Nachhaltigkeit liegt dem Material zugrunde? Wird Nachhaltigkeit eher ökologisch, sozial, ökonomisch oder integrativ verstanden?

  2. 🌱 Nachhaltigkeitsdimensionen
    Welche der drei Dimensionen nachhaltiger Entwicklung werden sichtbar: ökologische Verträglichkeit, soziale Gerechtigkeit, ökonomische Leistungsfähigkeit?

  3. 👥 Akteursperspektiven
    Welche Akteure kommen vor oder werden mitgedacht? Zum Beispiel: Auszubildende, Ausbilder:innen, Betrieb, Branche, Kund:innen, Mandant:innen, Politik, Gesellschaft.

  4. ⚖️ Beruflicher Zielkonflikt
    Welcher berufliche Zielkonflikt wird erkennbar? Zum Beispiel: Wirtschaftlichkeit und ökologische Verantwortung, Kundeninteresse und Risikobegrenzung, kurzfristiger Nutzen und langfristige Folgen, Regulierung und Beratungspraxis.

  5. 🧠 Kompetenzbezug
    Welche Kompetenzen sollen aufgebaut werden? Geht es eher um Wissen, Urteilsfähigkeit, Kommunikation, Entscheidungskompetenz, Reflexion oder Handlungsgestaltung?

  6. 🎓 Bezug zu SDG 4.7 und BBNE
    Inwiefern wird hier Bildung für nachhaltige Entwicklung konkret? Wo zeigt sich Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung?

  7. 🪞 Offene oder problematische Punkte
    Was bleibt im Material offen? Welche Perspektive fehlt? Wo könnte Nachhaltigkeit verkürzt, zu allgemein oder zu wenig berufsspezifisch behandelt werden?

🧩 Ergebnisform

🧩 Formulieren Sie zum Abschluss einen Satz:

Bildung spielt für Nachhaltigkeit hier die Rolle, dass …

Dieser Satz soll Ihre Analyse zuspitzen und in der gemeinsamen Diskussion als Ausgangspunkt dienen.

💬 Diskussion

Die gemeinsame Diskussion bündelt die Ergebnisse der Arbeitsphase. Dabei stehen nicht einzelne Materialien im Mittelpunkt, sondern die übergreifende Frage, was Bildung im Kontext nachhaltiger Entwicklung leisten kann und wo ihre Grenzen liegen.

Mögliche Diskussionsfragen:

  • 🧠 Wird Nachhaltigkeit in den Materialien eher als Wissen, Haltung, Kompetenz oder berufliche Praxis verstanden?
  • ⚖️ Welche Zielkonflikte erscheinen für Versicherungs- und Beratungsberufe besonders bedeutsam?
  • 🧭 Wird Nachhaltigkeit ausreichend berufsspezifisch bearbeitet oder bleibt sie allgemein?
  • 👩‍🏫 Welche Rolle spielt das Ausbildungspersonal für die Verankerung von Nachhaltigkeit?
  • 🌱 Kann Berufsbildung nachhaltige Transformation voranbringen, oder reagiert sie vor allem auf politische und wirtschaftliche Anforderungen?

🪞 Weiterführende Reflexionsfragen

🪞 Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema sind insbesondere folgende Fragen interessant:

  • 💭 Ist Nachhaltigkeit im Bildungssystem eher ein Querschnittsthema oder ein eigenständiger Bildungsauftrag?
  • 🌐 Was kann Bildung für nachhaltige Entwicklung leisten, wenn politische Unterstützung für globale Nachhaltigkeitsziele fragil bleibt?
  • 🧭 Führt die Indikatorisierung von SDG 4 zu besserer Steuerung oder eher zu einer Verengung komplexer Bildungsfragen?
  • 🎓 Reicht es aus, Nachhaltigkeit in Ausbildungsordnungen zu verankern, oder braucht es veränderte Lernorte, Prüfungen und betriebliche Kulturen?
  • 🤝 Welche Verantwortung tragen Betriebe, Berufsschulen und Hochschulen jeweils für nachhaltigkeitsbezogene Kompetenzentwicklung?
  • 🪞 Wo liegen Grenzen von Bildung, wenn Nachhaltigkeitsprobleme strukturell, politisch und ökonomisch verursacht sind?

📚 Literatur und Quellen

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). (2024). Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2024.

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). (2026a). Standardberufsbildpositionen.

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). (2026b). Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden.

BNE-Portal. (o. J.-a). Was ist BNE?

Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung. (2017). Nationaler Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie. (o. J.). Ziel 4 – Hochwertige Bildung.

Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie. (o. J.). Frühe Schul- und Ausbildungsabgängerinnen und -abgänger.

Heartney, Edward (2025). Remarks at the UN meeting entitled 58th Plenary Meeting of the General Assembly.

Hochschule der Bundesagentur für Arbeit. (o. J.). NaVeBb – Nachhaltigkeit in Versicherungs- und Beratungsberufen.

Institut für Wirtschaftspädagogik, Universität Rostock. (o. J.). NaVeBb – Nachhaltigkeit in Versicherungs- und Beratungsberufen.

NaVeBb-Plattform. (o. J.). Plattform mit Materialien und Modulen.

Greenpeace. (o. J.). Finanzwende.

Kultusministerkonferenz (KMK). (2021). Handreichung für die Erarbeitung von Rahmenlehrplänen der Kultusministerkonferenz.

Statistisches Bundesamt. (o. J.). SDG 4 – Hochwertige Bildung.

UNESCO. (2025). 2025 SDG 4 Scorecard progress report on national benchmarks.

UNESCO. (2026). Germany – Global Education Monitoring Report country case study.

UNESCO Institute for Statistics. (2025). SDG 4 Scorecard: Countries off track on education targets.

United Nations. (2015). Transforming our world: the 2030 Agenda for Sustainable Development.

United Nations. (2025). SDG-Bericht 2025.

United Nations. (o. J.). The 17 goals.

von Hauff, M. (2014). Nachhaltige Entwicklung: Grundlagen und Umsetzung. De Gruyter Oldenbourg.

von Hauff, M., & Kleine, A. (2005). Das integrierende Nachhaltigkeits-Dreieck.

World Commission on Environment and Development. (1987). Our common future.